Marcus Sieg FOREX-Blog - einseitig & subjektiv

Betrugsmaschinerie Forex

 
 
Lesen Sie diesen Beitrag nicht, wenn Sie noch an das Gute im Menschen glauben. Lesen Sie auch nicht weiter, wenn Sie der Meinung sind, dass alle Broker mit 0,5 PIP Spread glücklich sind und sich als Dienstleister gegenüber dem Trader verstehen.

Ihr Weltbild wird definitiv Risse bekommen.

Fakt ist: Geld regiert die Welt und alle rennen hinter dem schnöden Mammon hinter her. Warum sollte also bei einem Markt in dem sich alles nur um’s Geld dreht auf einmal der Mensch im Mittelpunkt stehen?

Erschreckend ist mit welcher Offenheit und Leichtigkeit man via Internet eine Firma mit unlauteren Absichten auf die Beine stellen kann. Und wie bereitwillig die breite Masse der Kunden ihre Geld diesen Leuten hinterher wirft.

Aber wie heißt es so schön: „Gier frisst Hirn“ – und mit diesem einfachen psychologischen Trick kann man doch hervorragend Geld verdienen.

Schritt 1: Eine Firma wird gebraucht

Als erstes wird eine Firma gegründet. Da man nicht vorhat sauber zu arbeiten, ist es ganz praktisch wenn diese Firma ihren Firmensitz möglichst weit weg hat.

Die Karibik wäre solch ein Ort (Stichwort: Offshore). Weit weg von allen Finanzmetropolen und zahlungskräftigen Kunden. Dort gibt es einige handfeste Vorteile:

  • die Formalitäten zur Firmen-Eröffnung sind relativ gering
  • es werden wenig bis gar keine Steuern fällig
  • keinen interessiert, was die Firma eigentlich so treibt
  • wir sind als Firmeninhaber anonym, da die Firma nur aus einem Briefkasten an der Wand besteht
  • meine Heimatbehörden interessiert auch nicht so richtig, was da läuft. Die sind ja nicht zuständig.

Das ist jetzt grob vereinfacht, aber hier soll ja keine Anleitung für Nachahmer stehen. Es geht lediglich ums Prinzip.

Schritt 2: Die Firma wird zum Broker

Hier kann man zwei  Möglichkeiten in Betracht ziehen.

Die einfache Methode: Man geht zu einem Kumpel, der schon als Broker am Markt ist und holt sich eine „White-Label“-Lösung. Dann wird lediglich ein Webauftritt gebraucht – die komplette technische Abwicklung läuft dann gegen Gebühr über den Kollegen.

Aber man will ja die Kasse richtig aufbessern. Und es ist ja auch schöner, wenn man komplett aus der Anonymität operieren kann.

Also holt man einfach von Metaquotes in Russland die Lizenz, mit der die Metatrader 4 – Plattform genutzt werden darf. Dies ist wahrscheinlich die größte Investition in dem ganzen Spiel. Mit dieser Lizenz ist man im Prinzip schon ein „richtiger“ Broker.

Natürlich muss noch ein wenig Logistik her. Irgendwo sollen die Kunden ja ihr Geld einzahlen. Und auch ein Support wäre ja nicht schlecht. (Aber dazu kommen wir noch)

Schritt 3: Der Broker braucht einen Webauftritt

Alle wissen, Papier ist geduldig. Und dies gilt natürlich auch für Webseiten. Wer sagt denn, dass immer überall die Wahrheit steht? Mag eine Webseite für andere Firmen eine Visitenkarte sein – für uns ist sie ein Marketinginstrument, mit der möglichst viele Kunden „generiert“ werden sollen.

Deshalb muss die Sache möglichst „sexy“ ausschauen. Wichtige Details, auf die die Kunden fliegen:

  • absolut niedriger Spread
  • möglichst hoher Bonus
  • Seite in der Landessprache
  • Support in der Landessprache
  • direkte Durchleitung der Trades
  • eine Registrierungs- bzw. Regulierungsnummer

Die ersten 4 Punkte sind natürlich überhaupt kein Problem. Der Spread wird marktüblich angesetzt und über den Bonus braucht man eigentlich keine Worte zu verlieren.

Da der Kunde nicht im Markt handelt, ist unserer Bonus eine reine System/Luftbuchung. Das Kleingedruckte in den Geschäftsbedingungen sorgt schon dafür, dass es nicht zur Auszahlung kommt. Letztlich soll das Konto des Kunden im günstigsten Fall plus/minus-Null laufen.

Die Webseite in unterschiedlichen Sprachen bzw. auch der Support dazu, ist natürlich kein Problem. Für den Support eignen sich auch hervorragend die „Introducing Broker“ (IB). Die sprechen schon die Sprache ihrer Kunden und wo der Support letztlich hockt ist egal. Es wird ja eh dezentral gearbeitet.

Schwieriger ist es schon mit der direkten Durchleitung und der Regulierungsnummer

Schritt 4: Der Broker braucht eine direkte Weiterleitung der Trades

Hier bieten sich mehrere Möglichkeiten an:

  • man lügt dreist auf der Webseite und bietet diese Durchleitung nur auf dem Papier bzw. der Webseite an.
  • man lagert den „Marketmaker-Server“ einfach aus. Neue Firma – anderes Land. Jetzt werden die Trades vom eigenen Handelsserver direkt weiter geleitet. Damit wäre die Werbeaussage erfüllt.
  • man schafft sich tatsächlich den CurreNex Zugang an und bekommt eine Lösung hin, bei der der Trade von der MT4-Plattform via den CurreNex-Zugang direkt in den Markt geleitet wird. (Geht tatsächlich!)

Wahrscheinlich wird aber eher Lösung 1 oder 2 genommen. Wobei Nr.2 schon wieder aufwendig ist. Am günstigsten wäre Nr.1. Sie glauben, dass gibt es nicht? Aber klar gibt es das. Vor allen Dingen wenn man sich sicher sein kann, dass eine Strafverfolgung eher schwierig bis unmöglich ist.

Und da ja die unter Schritt 1 gegründete Firma Offshore etc…. pp….

Schritt 5: Der Broker braucht eine Registrierung bzw. Regulierung

Wenn Sie der Meinung sind, jetzt wird es kompliziert, dann muss ich Sie leider enttäuschen.

Offensichtlich schauen die meisten Trader nur DAS eine Registrierung vorhanden ist, aber das WO ist dann schon nebensächlich. Und weitere Einzelheiten sind dann offensichtlich total hinderlich.

Jedenfalls ist das der Schritt bei dem man (theoretisch) etwas mehr Arbeit investieren muss. Es kann ja durchaus vorkommen, dass mal ein Trader genauer hinschaut und an der entsprechenden Stelle nachfragen möchte. Auch die ewigen Meckerer müssen ja irgendwo hingelenkt werden und die Möglichkeit haben, ihre Beschwerden loszuwerden.

Wir sind uns aber einig, dass bei dem obigen Konstrukt eine staatliche Aufsicht ala Bafin oder FCA eher hinderlich wären.  Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass wir eine passende Behörde in unserem Offshore Paradies nehmen, aber man möchte ja in Ruhe arbeiten.

Nehmen Sie doch die elegante Lösung: Gründen Sie eine eigene „Regulierungsbehörde“!

Und so wird es gemacht:

Suchen Sie sich ein paar alte Weggefährten, die etwas unterbeschäftigt sind und gründen einen Verband zu „Selbstregulierung des Finanzwesens“ oder zur „Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen“. Wie man das Kind nennt ist völlig egal, es muss nur toll klingen.

Merke: Wenn Sie mit Freunden eine Interessengemeinschaft gründen, dann ist das ein Verein. Passiert dies mit einem gewerblichen Hintergrund, dann haben wir einen Verband. Das klingt halt seriöser.

Wenn Ihnen das zu kompliziert ist, dann treten Sie einfach einem der bestehenden Vereine/Verbände bei. Über einen solchen Verein wurde im letzten Beitrag hier schon berichtet, allerdings nennt man sich dort auf der Homepage „nicht-kommerzielle Organisation“.

Dieser Verein gibt uns eine Registrierungsnummer, wacht neutral über dem Geschehen und hält uns lästige Anfragen vom Hals.

Aber mal ehrlich: Hat es Sie nie gewundert, dass auf einer deutsch-sprachigen Homepage eines auf den British-Virgin-Islands sitzenden Brokers eine russische Registrierungsnummer auftaucht?

Damit sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen und es kann mit dem Kundenfang losgelegt werden. Fast jedenfalls. Wäre da nicht die Sache mit der Glaubwürdigkeit.

Schritt 6: Der Broker braucht Glaubwürdigkeit

Eiserne Regel im Marketing: Glaubwürdige Statements von dritter Seite fördern den Verkauf ungemein. Aber wo bekommt man für das obige Konstrukt eine Lobeshymne her?

Auch hier ist die Hürde eher optischer Natur. Starten Sie einfach mal Google und tippen Sie den Namen Ihres Lieblingsbroker mit dem Begriff „Betrug“ ein. Was finden Sie?

Reihenweise Bewertungsportale, die natürlich absolut neutral und objektiv ihre Testberichte veröffentlichen. Mit dabei ist immer ein Link, über den Sie bei dem Broker ein Konto eröffnen können. Aber das ist gar nicht der Haken.

Schauen Sie sich solche Seite einmal genau an. Vermissen Sie auf diesen deutschen Seiten nichts? Eben – ich suche meistens vergeblich ein Impressum. Ist dann ein solches mal vorhanden, so lohnt ein Blick ins selbige.

I.d.R wird solch ein Portal von einer Firma betrieben und auffällig ist ferner, dass der Firmensitz auch noch im Ausland ist. Auf den Cayman Inseln beispielsweise. Und so schließt sich dann der Kreis.

Man ist Offshore gestartet und man endet Offshore.

 

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2 Kommentare

  1. 8. März 2014    

    Vielen Dank. Ein Bericht der zum Nachdenken anregt.

    Ich habe jetzt für mich endlich, ich hoffe, einigermassen seriöse und gute Broker gefunden. Bei einigen war ich schon sehr skeptisch. Vor allem wenn sie mit hohen Bonus etc.. anlocken.

  2. Angie Angie
    9. November 2015    

    Sehr guter Artikel, trifft den Nagel auf dem Kopf. Danke für die gut zusammengefassten Hintergründe. Das Gleiche trifft auch auf etliche Binäre Optionen-Broker zu.

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