Marcus Sieg FOREX-Blog - einseitig & subjektiv

Der große Bluff? – Der nächste Forex-Krimi

FXII

 
 
Der Fall „FX INVESTMENT INSTITUTE S.A.“

Im August wurde ich durch einen Facebook-Kontakt auf das „FX Investment Institute“ (nachfolgend „FII“) aufmerksam. Damals kochte an dieser Stelle gerade der Fall „4XP“ hoch und neben Geschädigten, die mich in größerer Anzahl mit Informationen versorgten, gab es auch andere Leser, um eine Meinung zu „ihrem“ Broker hören wollten.

Und es gab auch eine Menge Tipps mit den vermeintlich „totsicheren“ Anlagen, den guten & seriösen Anbietern im Markt. Und so erhielt ich dann auch am 13. August 2013 diese Mail via Facebook:

Hi Marcus, vielen Dank für das nette Telefonat heute. Hier ist der Link von dem gemanagten Account – http://de.fx-investment-institute.com/
 
Deine Meinung würde mich interessieren, wie gesagt ich hab schon Auszahlungen gemacht, die ohne wenn und aber durchgeführt wurden und ich finde keinerlei negative Bewertungen. Die existieren schon mehrere Jahre, bekomme auch regelmäßig Post aus der Schweiz mit Dankeschön-Geschenken… Und eine monatliche, Performance-abhängige Provision bekomme ich auch ….
 
Die sind in Panama ansässig. Hab aber schon irgendwo gelesen das das die „guten Jungs“ wären.

Meine Antwort darauf:

Habe mir die Seite angeschaut. Mein Urteil ist leider ziemlich vernichtend. Einzelheiten am Telefon, die Liste ist zu lang zum tippen.

In dem anschließenden Telefonat gab es die dringende Empfehlung, zumindest die getätigte Einlage wieder abzuziehen. Dieser Vorschlag wurde wohl vorübergehend in Erwägung gezogen, aber leider nicht umgesetzt.

Was waren die Gründe für mein Urteil? In einem früheren Beitrag habe ich schon geschrieben, dass in der Regel alle Einzelheiten und Ungereimtheiten auf der Webseite der jeweiligen Firmen stehen. Nur irgendwie scheint das keiner der Kunden wahrhaben zu wollen. Statt dessen wird nur auf den Chart und die Performance geschaut. Und alles andere ist egal. Aber genug aufgeregt, schauen wir uns einfach mal die Einzelheiten an.

Sind die Trader bei „4XP“ auf eine Konstrukt hereingefallen, das vorgibt ein Broker zu sein, so ist es hier wesentlich krasser. „FII“ behauptet auf seiner Webseite mit keiner Silbe, ein Broker zu sein. Statt dessen stellt man sich als Finanzunternehmen vor. (siehe auch Unternehmensprofil)

Das Wort Finanzunternehmen bedeutet nun alles oder nichts. In diesem Fall wird offensichtlich mit Kundengeldern auf „PAMM-Accounts“ im Bereich Währungen gehandelt. Ich möchte die Sache nicht unnötig verkomplizieren – PAMM-Accounts sind vereinfacht ausgedrückt „Sammelkonten“, so dass der ausführende Trader auf lediglich einem Konto arbeiten muss, aber damit auch hunderte von Kunden „traden“ kann.

Diese Führung von PAMM Accounts ist in Deutschland nur lizenzierten Tradern vorbehalten. In außereuropäischen  Ländern sind die Bestimmungen allerdings nicht ganz so streng und so wird dieser Umweg gerne von Quereinsteigern genutzt, um auf diese Weise vom Forex-Markt zu partizipieren.

I.d.R. wird dann aber so gearbeitet, dass der Trader mit einem Offshore-Broker zusammen arbeitet und dort das Konto geführt wird.  Der Kunde eröffnet also ein Konto bei dem Broker und zahlt dort sein Geld ein. Hier wacht also der Broker über die Einlage. Der Trader handelt auf dem Konto und hat keinen direkten Zugriff auf das Geld!

Völlig anders bei „FII“. Als oben erwähntes Finanzunternehmen ist es in Panama registriert (und zwar tatsächlich offiziell) und sammelt die Gelder auf eigene(!) Konten ein. Und diese Konten werden auch ganz offiziell im Impressum bei der Loyal Bank in Kingstown (St. Vincent und die Grenadinen) geführt.

Somit haben wir also den Kunden in Europa, den Trader bzw. die Firma in Panama und die Bank in der Karibik. Allein bei diesem Konstrukt sollten alle Alarmglocken angehen, die Sirenen durchdrehen und der vermeintliche Kunde sein Portemonnaie zuklappen und das Weite suchen. Aber statt dessen wurde fröhlich auf den Chart geschaut und investiert.

Es kam, wie es kommen musste. Als am Ende Oktober die Korrektur der Währungsmärkte einsetzte, erreichte folgende Mail die Kunden:

…aufgrund einer mehrfachen Hackerattacke mussten wir gestern einen folgenschweren Margin Call erleiden.

Leider ging hierdurch ein negativer Kontosaldo hervor. Aufgrund der begrenzten Risiken, die wir Anlegern garantieren, besteht jedoch keine Nachschusspflicht.

Wir bedauern den Vorfall sehr. Auch wenn es uns nicht möglich ist, die gestern erfahrenen Hackerattacken ungeschehen zu machen, ist es dennoch unser Bestreben die hierdurch entstandenen Verluste eines jeden Einzelnen in absehbarer Zeit ausgleichen zu können. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, die gesamten Rücklagen des Unternehmens aufzuwenden, um eine Basis dafür zu schaffen. Dieser Zuschuss kann leider nicht mehr als annähernd ein Prozent des vorangegangenen Kontostands betragen. Auch wenn dieser Zuschuss für jeden Einzelnen äußerst gering erscheinen mag, bezogen auf alle Konten entspricht das einer beträchtlichen Summe, mit der wir dazu beitragen, den Schaden (wenn auch in ferner Zukunft) wieder gutzumachen.

Wir waren den Hackerattacken, die wir in dem Ausmaß bislang noch nicht erfahren haben, hilflos ausgeliefert. Neue Sicherheitsvorkehrungen wurden eingeleitet.

Der Handel wird aufgrund des Margin Calls bis einschließlich 31 OKT 2013 ausgesetzt. In der Zwischenzeit werden wir unsere Tradingstrategien einer Handelsmodifizierung unterziehen und am 01 NOV 2013 mit einem Neustart beginnen.

Wir bedauern Ihnen zum 4-jährigen Jubiläum nichts erfreulicheres mitteilen zu können. Lassen Sie uns nach vorne blicken. Sie können weiterhin auf uns zählen.

Zusammengefasst: Sorry, dass das Geld weg ist – hätte aber schlimmer kommen können. Legt mal Geld nach, dass wird schon wieder.

Die Sache mit der DDOS-Hackerattacke ist natürlich der Klassiker im Finanzgewerbe. Ich möchte nicht wissen, wie viel Geld mit dieser Begründung schon „umgeleitet“ worden ist.

Die unmittelbar Betroffenen sollten sich natürlich mit so einer Mail nicht abspeisen lassen, sondern folgende Fragen stellen und Antworten verlangen:

  • welcher Server wurde genau gehackt?
  • warum soll diese Attacke verantwortlich für einen Margin Call gewesen sein?
  • wo ist der genaue Nachweis für die Trades?
  • in der Mail wurde von wiederholten Angriffen gesprochen, warum wurde dann nicht mit einem System gehandelt, das mit einem Stop Loss arbeitet?
  • welcher Broker hat die Orders ausgeführt?
  • warum wurden die Trades nicht telefonisch beendet?
  • warum wurde Loyal Bank in Kingston als Geldsammelstelle genutzt und nicht der Broker?
  • warum wurde der Fakt des Margin Call nicht auf der Webseite eingepflegt? Vergangene Minus-Monate wurden ja auch kommuniziert?
  • unter Punkt 7 der Firmen FAQ wird kommuniziert, dass mit max. 10% der Einlage getradet wird. Wieso ist dann die komplette Einlage vernichtet?

Während zumindest ich mir diese Fragen stellte, landete am nächsten Tag die Kopie einer E-Mail von Goldman, Morgenstern & Partners in meinem Postfach.

Der Titel: „Der große Bluff – FX Investment Institute S.A.“

Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass der in Panama ansässige Zusammenschluss von Brokern FX Investment Institute S.A. in den vier Jahren seines Bestehens auch nur eine einzige Devisenorder ausgeführt hat. Schein-Trader Ulrich Engler (50) hat es doch vorgemacht, wie man gutgläubige Anleger mit selbstverfassten Kontoabrechnungen Sand in die Augen streuen kann und lange ein Schneeballsystem am Laufen hält.

Und es gibt auch nicht den geringsten Beweis, dass es diese Woche auf das Handelskonto der FX Investment Institute S.A. Tatsächlich gleich mehrere Hackerangriffe gab, bei denen so viele Orders ausgelöst worden seien, dass alle Kundengelder zur Nachschusspflicht verbraucht worden seien. Hat sich diese abenteuerliche Geschichte der studierte Informatiker Tobias Kruck (39) aus Bayern ausgedacht, der die Panama-Broker über seine Schweizer Firma FX Trading24 GmbH übrigens als einziger vermittelt?Manche sagen ja, warum lesen Sie hier.

Diese Meldung würde natürlich alles erklären, es sei denn, dass „FII“ schlüssige Antworten auf den obigen Fragenkatalog inklusive nachprüfbaren(!) Belegen vorlegen würde.

Welche Möglichkeiten hat der Kunde noch?

Auch wenn das Kind jetzt in den Brunnen gefallen ist, gibt es nach meiner persönlichen Ansicht einige Umstände, bei denen der Geschädigte einen Hebel ansetzen kann.

  • in den Nutzungsbedingungen bzw. Risikohinweis von „FII“ wird nicht auf die Möglichkeit des Totalverlustes durch technische Probleme hingewiesen. Damit wäre „FII“ eventuell Schadensersatzpflichtig. Dies gilt es zu prüfen.
  • auch in Panama finden es Aufsichtsbehörden nicht witzig, wenn unter ihrer Nase ein Betrug abläuft. Es wäre also ratsam, sich mit den Behörden in Verbindung zu setzen, um die Lage vor Ort „abzuklären“.
  • auch wenn die Loyal Bank in der Karibik sitzt – Staatsoberhaupt ist de Königin von England. Und auf britischen Kronkolonien können Firmen zwar toll Steuern sparen, aber bei Straftaten verstehen diese Länder auch kein Spaß.

Aber wie schon geschrieben, es kommt darauf an, ob tatsächlich ein technisches Versagen oder ein massiver Betrug vorliegt. Danach würde sich die Strategie richten.

Der Kunde könnte natürlich auch einfach mal direkt bei der Direktion von „FII“ nachfragen. Ach, Sie haben da keinen Ansprechpartner? Auch da ist Google Ihr Freund.

Unter diesem Link http://ohuiginn.net/panama/company/id/675468 gibt es weitere Einzelheiten und an zweiter Stelle bei den Direktoren wird sogar ein Name genannt.

Googlen Sie einfach mal weiter, Sie werden erstaunt sein, was Ihnen die Suchmaschine da alles so präsentiert.

 

Weitere Infos zu diesem Thema:

http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1158875-neustebeitraege/fx-investment-institute

http://cafe4eck.blogspot.com.es/2013/11/margin-call-der-groe-crash-der-fx.html

 

 

 

 

Similar posts
  • Binäre Optionen – Der schnelle ... Wenn ich mir mein Postfach jeden Tag so anschaue, dann nehmen die Werbemails für binäre Optionen eindeutig zu. Auch ein Grund, einmal näher an dieser Stelle auf die Thematik einzugehen. Binäre Optionen / Binary Options In Deutschland hat sich die Thematik mit den Binär-Optionen erst in den letzten Monaten verstärkt bemerkbar gemacht. Und in der [...]
  • 4XP: Geht doch noch was?     Haben die schlechten Nachrichten um den Broker Forex Place (4XP) um schleppende Auszahlungen von Kundengeldern in der Vergangenheit bis zum kompletten Auszahlungsstopp vor einigen Wochen bei allen Kunden für Wut und Enttäuschung gesorgt, so könnte es sein, dass sich das Blatt ein wenig wendet. Aus meinen Berichten um 4XP ist ein Projekt entstanden, [...]
  • Das lästige Kleingedruckte     Vielleicht haben Sie sich als Leser meines Blogs gerade im Hinblick auf die jüngsten Beiträge die Frage gestellt:“Wie kommt man eigentlich an solche Informationen?“ Die verblüffende Antwort wäre, dass es ganz einfach ist. Fast alle Informationen stehen auf den Internetseiten der betroffenen Firmen. OK, manchmal ist auch aufschlussreich was nicht auf einer Hompage [...]
  • Betrugsmaschinerie Forex     Lesen Sie diesen Beitrag nicht, wenn Sie noch an das Gute im Menschen glauben. Lesen Sie auch nicht weiter, wenn Sie der Meinung sind, dass alle Broker mit 0,5 PIP Spread glücklich sind und sich als Dienstleister gegenüber dem Trader verstehen. Ihr Weltbild wird definitiv Risse bekommen. Fakt ist: Geld regiert die Welt [...]
  • 4XP: FMRRC beschließt außerplanmäßige...     Laut eigener Aussage ist 4XP bei dem FMRRC (Financial Market Relations Regulation Center) registriert und wird von eben dieser reguliert. 4XP is a financial services company authorized and regulated by the FMRRC- Financial Market Regulation Center under license number RU 0394 AA Vv0023   Quelle: 4XP Homepage   Das FMRRC veröffentlichte am 07.08.2013 [...]

4 Kommentare

  1. Heinz Greiwe Heinz Greiwe
    4. November 2013    

    Hallo Herr Sieg!
    Bin leider auch auf FX investment reingefallen.
    Können Sie mir einen guten Anwalt empfehlen?
    Hochachtungsvoll
    Heinz Greiwe

    • 4. November 2013    

      In diesem Fall wird es sehr schwierig. Das merkwürdige Konstrukt dieser Firma steht zu offensichtlich auf deren Webseite.
      Der einzige Weg wäre über die vorgestellten Möglichkeiten, allerdings sehe ich hier doch ziemlich schwarz. Aus Erfahrung
      kann ich sagen, dass Sie von den deutschen Behörden nicht mit Hilfe rechnen können.

  2. 26. November 2013    

    Hallo Herr Sieg,

    vielen Dank für den aufklärenden Artikel. Der Sumpf der unseriösen Broker wird leider nach wie vor nicht kleiner und so gibt es nach wie vor nur eine handvoll an Firmen, denen man tatsächlich sein volles Vertrauen schenken sollte. Letztendlich sollte man ja seinem Broker gegenüber immer skeptisch sein.

    Ich finde es immer wieder beachtlich wie ganze Firmen und deren Mitarbeiter ihre Kunden derart hinters Licht führen, um an ihr Geld zu kommen. Wo bleibt da die Moral? Oder müssen wir uns eingestehen, dass es in diesem Geschäft tatsächlich keine gibt?

    Ich persönlich tendiere in letzter Zeit auch hin und wieder dazu, Währungen über Futures zu handeln, da ja dort der Handel über die regulierte Börse läuft.

  3. Thomas Thomas
    3. Dezember 2013    

    Habe mir bei einer unseriösen Firma für Forex Managed Accounts ebenfalls die Finger verbrannt und auf der Suche nach gleichgesinnten den folgenden Beitrag gefunden: http://blog.deltafins.com/regulierung-und-sitz-von-deltafins/. Vor allem das letzt Drittel hat mir die Augen geöffnet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Free Website Translator
7-teiliger Forex Trading Kurs
This movie requires Flash Player 9

HIER KLICKEN für ein Demo-Konto



This movie requires Flash Player 9

HIER KLICKEN für ein Demo-Konto